Klassische Checkpoints waren für Datenbank- und Mailserver tabu. Produktionsprüfpunkte nutzen VSS und machen Checkpoints anwendungskonsistent. So steuern Sie den Modus per VMM-PowerShell.
Checkpoints (früher Snapshots) gehören zu den praktischsten Funktionen der Virtualisierung – und zu den gefährlichsten. Lange galt die Regel: in Testumgebungen ja, in der Produktion nein. Mit Windows Server 2016 und System Center Virtual Machine Manager 2016 hat sich das geändert.
Das Problem mit Standard-Checkpoints
Beim klassischen Checkpoint erzeugt Hyper-V eine neue differenzierende Festplattendatei (AVHDX), in die alle weiteren Änderungen geschrieben werden. Zusätzlich wird der Arbeitsspeicherzustand gesichert.
- Zurücksetzen verwirft die differenzierende Datei – die VM steht exakt im Zustand des Checkpoints, inklusive laufender Prozesse.
- Löschen führt differenzierende und ursprüngliche Festplatte zusammen.
Für Datenbank- oder Mailserver ist das problematisch: Die Anwendung „weiß“ nichts vom Zurücksetzen, Transaktionen können inkonsistent werden, und in replizierten Umgebungen drohen Konflikte. Für Domänencontroller hat Microsoft bereits mit Windows Server 2012 eigene Schutzmechanismen (VM-Generation-ID) eingeführt.
Produktionsprüfpunkte
Produktionsprüfpunkte nutzen innerhalb der VM den Volume Shadow Copy Service (VSS) – unter Linux das Einfrieren des Dateisystems –, genau wie eine Datensicherung. Es wird kein Arbeitsspeicherzustand gespeichert; die VM startet nach dem Zurücksetzen wie nach einem sauberen Herunterfahren. Jede Anwendung, die VSS-Sicherungen unterstützt, ist damit auch mit Produktionsprüfpunkten kompatibel.
Die vier Modi
| Modus | Verhalten |
|---|---|
Production | Produktionsprüfpunkt; schlägt VSS fehl, wird automatisch ein Standard-Checkpoint erstellt. |
ProductionOnly | Nur Produktionsprüfpunkt; schlägt VSS fehl, wird kein Checkpoint erstellt. |
Standard | Klassischer Checkpoint inklusive Arbeitsspeicherzustand. |
Disabled | Checkpoints für diese VM sind nicht möglich. |
Konfiguration per VMM-PowerShell
Für eine einzelne VM:
$vm = Get-SCVirtualMachine -Name 'SQL01'
Set-SCVirtualMachine -VM $vm -CheckpointType ProductionOnly
Für alle VMs eines Hosts:
Get-SCVirtualMachine -VMHost 'HV01' | ForEach-Object {
Set-SCVirtualMachine -VM $_ -CheckpointType Production
}
Damit neue VMs gleich richtig konfiguriert werden, setzen Sie den Parameter auch in Vorlagen und Hardwareprofilen:
Set-SCVMTemplate -VMTemplate (Get-SCVMTemplate -Name 'WS2022-Std') -CheckpointType Production
Set-SCHardwareProfile -HardwareProfile (Get-SCHardwareProfile | Where-Object Name -eq 'Standard') -CheckpointType Production
In der VMM-Konsole finden Sie die Einstellung in den Eigenschaften der VM bzw. Vorlage unter Erweitert › Prüfpunkte.
Tipp
Wählen Sie für Datenbank- und Mailserver ProductionOnly. Lieber kein Checkpoint als ein unbemerkt erstellter Standard-Checkpoint, wenn VSS in der VM einmal nicht funktioniert.
Heute
Produktionsprüfpunkte sind seit Windows Server 2016 der Standard für neue VMs in Hyper-V und werden von VMM 2019, 2022 und 2025 vollständig unterstützt. Auch Produktionsprüfpunkte ersetzen keine Datensicherung – sie sind ein Werkzeug für kurzfristige Änderungen wie Updates oder Konfigurationsarbeiten.