Alle System-Center-Produkte auf zwei Servern betreiben, um Lizenzen und Hardware zu sparen? Warum das selten aufgeht und worauf es bei der Planung tatsächlich ankommt.
Eine typische Ausgangslage: Ein Unternehmen mit rund 70 Clients möchte Configuration Manager, Service Manager, Operations Manager, Data Protection Manager und Virtual Machine Manager einführen – am liebsten auf zwei bis drei virtuellen Servern, damit Lizenzkosten und Hardwarebedarf überschaubar bleiben. Die ehrliche Antwort aus der Beratungspraxis lautet: Es kommt darauf an. Hier die Faktoren, auf die es ankommt.
Erst das Ziel, dann die Produkte
Bevor über Server gesprochen wird, sollte klar sein, welches Problem gelöst werden soll. System Center besteht aus mehreren eigenständigen Produkten, und nicht jede Umgebung braucht alle:
- Configuration Manager lohnt sich vor allem bei Clients in direkter Benutzerverwendung (Softwareverteilung, Patching, OS-Deployment).
- Operations Manager überwacht Server, Dienste und Anwendungen.
- Virtual Machine Manager verwaltet nicht nur VMs, sondern auch Netzwerk, Storage und Bibliotheken der Virtualisierungsumgebung.
- Service Manager bildet ITSM-Prozesse ab und ist datenbankseitig besonders anspruchsvoll.
- Data Protection Manager übernimmt die Datensicherung.
Ein Produkt pro VM – aus gutem Grund
Microsoft empfiehlt, jedes System-Center-Produkt auf einer eigenen virtuellen Maschine zu betreiben. Das ist kein Selbstzweck:
- Produkte wie Operations Manager, Configuration Manager und Virtual Machine Manager sind ressourcenhungrig und beeinflussen sich gegenseitig, wenn sie sich ein System teilen.
- Updates, Upgrades und Fehlersuche sind deutlich einfacher, wenn jedes Produkt isoliert läuft.
- Einige Komponenten haben widersprüchliche Voraussetzungen (Rollen, Webserver-Konfiguration, .NET-Versionen).
Der SQL Server ist das Herzstück
Die gesamte System-Center-Produktfamilie arbeitet extrem datenbanklastig. Wer alle Datenbanken auf einem zentralen SQL Server konsolidieren möchte, muss ihn entsprechend dimensionieren:
- Ausreichend RAM und schnelle Datenträger – die Datenbank ist fast immer der erste Engpass.
- Einige Produkte bzw. Datenbanken benötigen eine eigene SQL-Instanz (z. B. wegen Collation-Anforderungen oder Reporting Services).
- Mehrere Produkte bringen ein eigenes Data Warehouse mit: Operations Manager und Service Manager haben jeweils eine Betriebs- und eine Data-Warehouse-Datenbank. Jedes Produkt braucht seine eigene, dedizierte Data-Warehouse-Datenbank.
Und die Lizenzen?
Hier lohnt ein genauer Blick, denn in der Diskussion wird oft einiges vermischt:
- Die System-Center-Lizenz enthält das Nutzungsrecht für SQL Server Standard, sofern der SQL Server ausschließlich für System Center verwendet wird.
- Die Windows-Server-Lizenz für die VMs ist darin nicht enthalten. Wer ohnehin Windows Server Datacenter auf den Hosts lizenziert, kann allerdings beliebig viele Windows-Server-VMs betreiben – dann kosten zusätzliche VMs keine zusätzlichen Betriebssystemlizenzen.
Heute
System Center 2012 ist längst aus dem Support. Die Grundprinzipien – ein Produkt pro VM, leistungsstarker SQL Server, getrennte Data Warehouses – gelten aber unverändert für System Center 2022 und 2025. Bei kleinen Umgebungen sollten Sie zudem prüfen, ob Cloud-Dienste wie Intune, Azure Monitor oder Azure Backup einzelne Produkte ersetzen können. Lizenzdetails ändern sich regelmäßig – prüfen Sie stets die aktuellen Produktbedingungen.
Fazit
Zwei Server für die komplette Suite sind ein Sparmodell, das im Betrieb meist teuer wird. Planen Sie produktweise, dimensionieren Sie den SQL Server großzügig und holen Sie sich für das Design Unterstützung, wenn Sie System Center zum ersten Mal einführen – die eingesparte Fehlersuche rechtfertigt den Aufwand fast immer.