Cloud, Hoster oder eigenes Rechenzentrum? Als Exchange 2010 auslief, standen viele Unternehmen vor dieser Wahl. Die Erfahrungen von damals helfen auch beim nächsten Versionswechsel.
Anfang 2019 haben wir in der Community auf das bevorstehende Supportende von Exchange Server 2010 hingewiesen. Ursprünglich für Januar 2020 angekündigt, wurde es später auf Oktober 2020 verschoben. Ab dann gab es keine Sicherheitsupdates, Fehlerbehebungen oder Zeitzonen-Updates mehr.
Die drei Wege
- Migration zu Exchange Online (Microsoft 365) – keine eigene Exchange-Infrastruktur mehr, dafür Abhängigkeit von Internetanbindung und Cloud-Verträgen.
- Migration zu einem Service-Provider (Private Cloud) – Exchange als gehosteter Dienst, oft mit deutschem Rechenzentrumsstandort.
- Migration zu einer aktuellen Exchange-Version im eigenen Haus – volle Kontrolle, aber auch voller Betriebsaufwand.
Daneben steht es jedem frei, eine alternative Mailplattform zu wählen. Entscheidend ist, die Migration rechtzeitig zu starten.
Fallstricke, die damals auffielen
- Keine direkte Koexistenz von Exchange 2010 und 2019: Wer von 2010 auf 2019 wollte, musste einen Zwischenschritt über Exchange 2016 gehen.
- Hohe Hardwareanforderungen: Für die Postfachrolle von Exchange 2019 empfahl Microsoft mindestens 128 GB RAM – für kleine Organisationen ein Argument für die Cloud.
- TLS 1.2 als Voraussetzung: Ungepatchte Windows-7-Clients hatten Verbindungsprobleme.
- Überwachung: Für Exchange 2016 und 2019 gab es kein eigenes SCOM-Management-Pack; für 2016 konnte das MP für Exchange 2013 mitverwendet werden.
- Sicherheitsupdates: Kumulative Updates beheben regelmäßig kritische Sicherheitslücken – eine Exchange-Umgebung muss konsequent aktuell gehalten werden.
Was das heute bedeutet
Die Geschichte wiederholt sich: Auch Exchange 2016 und 2019 haben im Oktober 2025 das Ende ihres Supports erreicht. Nachfolger im eigenen Rechenzentrum ist die Exchange Server Subscription Edition (SE), die – anders als frühere Versionen – im Abonnement lizenziert wird und kontinuierlich Updates erhält.
Unsere Empfehlungen aus 2019 gelten unverändert:
- Entscheidung Cloud vs. On-Premises früh treffen und dokumentieren.
- Unterstützte Migrationspfade und Koexistenzszenarien vorab prüfen.
- Clients, Drittanwendungen und Überwachung in die Planung einbeziehen.
- Puffer für Verzögerungen einplanen – Supportenden verschieben sich selten zu Ihren Gunsten.
Heute
Exchange 2010 ist seit Oktober 2020 ohne Support. Dieser Beitrag dient als Rückblick und Planungshilfe für aktuelle Exchange-Migrationen.