Monitore über Vorlagen anlegen oder direkt unter den Management-Pack-Objekten? Und was hat es mit „verteilten Anwendungen“ auf sich? Die Unterschiede einfach erklärt.
Im Bereich Authoring (Erstellung) der Operations-Manager-Konsole gibt es zwei scheinbar gleichwertige Wege, einen Monitor anzulegen: über die Management-Pack-Vorlagen und direkt unter Management-Pack-Objekte › Monitore. Dazu kommen die verteilten Anwendungen, deren Name regelmäßig für Verwirrung sorgt. Zeit für eine Einordnung.
Management-Pack-Vorlagen: der geführte Weg
Der Name ist etwas unglücklich gewählt: Mit einer Management-Pack-Vorlage erstellen Sie kein komplettes Management Pack, sondern eine fertige Überwachungslösung für ein bestimmtes Szenario. Ein Assistent führt Sie Schritt für Schritt durch die Konfiguration, zum Beispiel für:
- die Überwachung eines Windows-Dienstes oder Prozesses,
- eine OLE-DB-Datenquelle (z. B. eine SQL-Abfrage),
- Webanwendungen und URLs,
- TCP-Ports oder UNIX/Linux-Prozesse.
Im Hintergrund legt der Assistent alles Nötige an: eine neue Klasse, eine Discovery, die passenden Monitore und Regeln. Das Ergebnis wirkt in der Konsole anschließend wie jeder andere Monitor.
Vorteil: Der Assistent stellt sicher, dass das Zusammenspiel funktioniert – ideal für Einsteiger und Standardaufgaben. Nachteil: Was der Assistent nicht vorsieht, geht nicht.
Management-Pack-Objekte: volle Kontrolle
Unter Management-Pack-Objekte bauen Sie Monitore, Regeln und Overrides einzeln und in voller Leistungsfähigkeit: mit eigenen Skripten, eigenen Zuständen, frei wählbaren Zielklassen und Bedingungen. Ein Dienstmonitor, den Sie hier anlegen, macht technisch dasselbe wie die entsprechende Vorlage – Sie müssen aber selbst wissen, welche Klasse Sie als Ziel wählen und wie Sie den Monitor auf die richtigen Systeme einschränken.
Erfahrene Administratoren nutzen die Vorlagen deshalb kaum noch, Einsteiger sollten sie dagegen bewusst einsetzen.
Verteilte Anwendungen: Services als Ganzes sehen
Eine verteilte Anwendung (Distributed Application) hat nichts mit Softwareverteilung zu tun. Gemeint ist das Zusammensetzen einzelner überwachter Bausteine zu einem Service, der als Einheit betrachtet wird.
Beispiel Webshop: Er besteht aus einem Load Balancer, zwei Webservern, einem Anwendungsdienst und einer SQL-Datenbank. Jeder Baustein wird bereits einzeln überwacht. In der verteilten Anwendung fassen Sie diese Komponenten zusammen und definieren, wie ihr Status auf den Gesamtservice wirkt – etwa „Service kritisch, wenn die Datenbank ausfällt; nur Warnung, wenn einer von zwei Webservern ausfällt“. So sehen Betrieb und Management auf einen Blick, ob der Service funktioniert – nicht nur, ob einzelne Server grün sind.
Tipp
Arbeiten Sie mit der englischen Konsole, wenn es irgend geht. Nahezu alle Anleitungen, Blogs und Foren verwenden die englischen Begriffe – die Suche nach der passenden Übersetzung kostet sonst unnötig Zeit.
Heute
Vorlagen, MP-Objekte und verteilte Anwendungen gibt es unverändert in Operations Manager 2019, 2022 und 2025. Für komplexere Management Packs empfiehlt sich heute die Entwicklung in Visual Studio mit den Authoring Extensions bzw. mit Community-Werkzeugen statt der Konsole.